Was haben Edward Snowden, Hillary Clinton und Gegen-Drohnen-Schützende-Burkas gemeinsam? Sie alle waren am 05. und 06. Juni 2014 auf dem Personal Democracy Forum (PDF) zu finden – einer der weltweit wichtigsten Konferenzen zu Politik und Technologie.

Unter dem Motto „Save The Internet  – The Internet Saves“ wurde bei der elften Auflage der Veranstaltung über die Verwendung von Memes und Instagram zu politischen Zwecken diskutiert, neue Wahlkampf-Tools vorgestellt und die Verwendung und Nutzung von Social Media durch autoritäre Regime besprochen.

Snowden steht Rede und Antwort

Edward Snowden PDF

Das Highlight der Konferenz eröffnete diese zugleich: Live aus Moskau zugeschaltet beantwortete Edward Snowden eine gute halbe Stunde lang Fragen zu seinen Motiven und der Bedeutung seiner Veröffentlichungen. Für seine Aussage „es sei seine bürgerliche Pflicht gewesen“ und „es sei nichts Besonderes“ ernte er großen Applaus aus dem Publikum. Er betonte ausdrücklich, dass die Menschen die Hoheit über ihre Daten zurück gewinnen müssten und verwies dabei auf die neue Kampagne Reset the Net. Einhergehend mit seinen Aussagen zur Datenhoheit hob er die Verschlüsselung (Encryption) der eigenen Daten hervor. Positiv erwähnt wurden in diesem Zusammenhang die Aktivitäten Googles, die zukünftig eine sichere Verschlüsselung von E-Mails ermöglichen sollen.

Insgesamt wurde sehr deutlich, dass das Thema Datenschutz, Datensicherheit und Datenhoheit nun endgültig in der breiten Öffentlichkeit der USA angekommen ist. Wirft man einen Blick in die Zukunft, so wird es auch für Unternehmen in Deutschland immer wichtiger werden ihren Kunden die Möglichkeit zur Kontrolle und Verschlüsselung ihrer Daten zu geben.

 

Kleider machen Leute

Ein Schritt weiter als die Verschlüsselung eigener Daten geht der Schutz vor Drohnen mittels eigens für diesen Zweck entworfener Kleidung. Der Designer Adam Harvey hat mehrere Kleidungsstück entworfen und produzieren lassen, die gegen ungewollte Beobachtung durch Drohnen schützen. Vor allem zur Generierung von Aufmerksamkeit geschaffen, zeigt diese Aktion doch wiederum gut, dass sicher immer mehr Menschen in den USA dem Thema Datenschutz und Ausspähung durch den Staat annehmen.

Zu kaufen gibt es die Kleidung übrigens hier: Privacy Gift Shop

 

Memes sind nicht nur zum Lachen da

Hierzulande sind Memes in erster Linie als kleine Spaßmacher bekannt. Dass sie aber auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden können, zeigen Beispiele aus China und Aserbaidschan. In China werden Memes eingesetzt um versteckte Botschaften zu transportieren und somit die Zensur durch den Staat zu umgehen. Ein schönes Beispiel ist das nachäffen der Mao-Pose.

maocuredmeat
In Aserbaidschan werden Memes nicht von Regierungskritikern eingesetzt, sondern von der Regierung selbst. So werden von der Regierung unerwünschte Personen mit eigens auf sie gemünzten Memes attackiert und denunziert.
Diese Entwicklungen zeigen sehr klar, dass sich politische Akteure vormals unpolitische Formate aneignen und für ihre Zwecke einsetzten. Vielleicht sehen wir auch in Deutschland demnächst eine Meme-Kampagnen – dann aber hoffentlich mit positiver Botschaft.

 

Der richtige Einsatz von Social Media?

In Deutschland wünscht man sich vielerorts, dass die Politik doch endlich mehr auf Social Media setzen möge; in einigen anderen Ländern dagegen zeigen Beispiele, dass dies nicht immer die beste Idee ist.
Während in China und der Türkei zensiert wird und eine Vielzahl von Kanälen für die Bevölkerung nicht zu erreichen sind, veranschaulichen die Fälle anderer Nationen wie autoritäre Regimes Social Media für ihre Zwecke missbrauchen können. Ähnlich der Erstellung von Memes zur „Bekämpfung“ von Regierungsgegnern, werden Facebook und Co. zur Zementierung der eigenen Macht und Beeinflussung der Bevölkerung genutzt. Statistiken wie „Likes“ und „Follower“ werden angebracht, um den eigenen Zuspruch in der Bevölkerung zu demonstrieren und die Bedeutungslosigkeit der Opposition zu veranschaulichen. Fotos, Videos und Statusnachrichten werden benutzt, um seine Wahrheiten zu verbreiten und Schmutzkampagnen gegen Gegner zu fahren. Diese Beispiele zeigen leider sehr deutlich das auch oder insbesondere Social Media nicht vor missbräuchlicher Nutzung geschützt ist.

 

Funktional…und hübsch

Während man in Deutschland immer noch dabei ist Programme und Tools zu implementieren (beispielsweise zur Vereinfachung des Verwaltungswesens für Beamte und Bürger), ist man insbesondere im United Kingdom schon einen Schritt weiter. Nachdem bereits seit längerem Tools, die zum Beispiel das Ummelden des Wohnsitzes ermöglichen, auf Webseiten lokaler Behörden aufzufinden sind, werden diese sukzessive überarbeitet und optisch ansprechender gestaltet. Denn sorgfältige Analysen zeigen: Nicht nur die Funktionalität ist für die Annahme solcher Tools wichtig, sondern auch ihr Aussehen. Ein Aspekt, der insbesondere im Verwaltungswesen und in der Politik gerne vergessen wird.
Es gilt also: funktional und optisch ansprechend muss es sein!

 

Die neuen Wahlkampf-Tools der Demokraten

Im Gegensatz zu Edward Snowden war Hillary Clinton nicht im eigentlichen Sinne auf dem PDF anzutreffen, aber sie spielte doch eine Rolle – oder viel mehr ihre, bzw. von ihren Unterstützern initiierte, neue Website ReadyforHillary.com. Auf einem interessanten Panel wurden verschiedene Tools vorgestellt, die von den Demokraten in den USA aktuell oder zukünftig eingesetzt werden. So können freiwillige Helfer noch gezielter Bekannte und Fremde ansprechen. Hierbei kommen immer größere Datenbanken zum Einsatz, die leicht zu bedienen sind und zugleich auch einen aktivierenden Mechanismus enthalten. So kann der Helfer sich zum Beispiel selbst Ziele setzen und die Erreichung dieser nachverfolgen.
Die meisten der vorgestellten Tools oder Ansätze drehten sich rund um das Thema Daten und Datenauswertung. Das ist in Zeiten von NSA und Prism zwar kaum verwunderlich, aber doch spannend zu beobachten.

Betrachtet man Tools und Ansätze aus den USA, stellt sich zwangsläufig die Frage, inwieweit solche Technologien hierzulande genutzt werden können. Grundsätzlich gilt aber: umso leichter die Arbeit für Helfer und Mitarbeiter wird, desto erfolgreicher sind diese. Und zu diesem Erfolg gehören vor allem technische Tools, hat doch jeder ein Smartphone oder Tablet bei sich zu Hause.

 

Fazit

Zum Abschluss, das PDF in fünf Sätzen zusammengefasst:

Datenhoheit, -Sicherheit und -Schutz werden zukünftig eine noch bedeutendere Rolle spielen.
Auch Unternehmen müssen sich überlegen, wie sie ihre Kunden in dieser Hinsicht zufrieden stellen können.

Außerdem können Formate (Beispiel: Memes), die sich auf den ersten Blick nicht zur professionellen Kommunikation eignen, mit der richtigen Idee sinnvoll eingesetzt werden.

Nicht alle Tools und Vorgehensweisen lassen sich auf Deutschland übertragen.
Zudem gilt: neben Funktionalität muss auch das Design optisch ansprechend sein.