Das Ende der Welt – oder: 4 kurze Anekdoten von der re:publica 2014

 

Google Nest: Your data, our future

Die Google-Theater AG stellt mit Google Nest die neuesten Produkte der Google-Familie vor. Google Trust, Google Bee, Google Hug und Google Bye – Produkte, die selbst für Google absurd klingen. Google Hug beispielsweise erkennt, wann ein Nutzer Zuneigung braucht und sucht jemanden in dessen Nähe für eine Umarmung. Ein Konferenzbesucher im Saal beispielsweise darf den Schauspieler Jan Josef Liefers zur Aufheiterung umarmen. Oder Google Bye, bei dem sich Google im Todesfall um die automatische Benachrichtigung der digitalen Kontakte kümmert. Am Ende der Veranstaltung stellt sich heraus, dass Aktivisten des Peng! Collectives diesen Hoax – inklusive Jan Josef Liefers und im Publikum sitzenden Klatschern – eingefädelt hatten, um Kritik am „Datensammler“ Google zu üben.

 

 

Tales for GrownUps

Die  Agency „The Tale Studio“ promoted und kommuniziert nicht mehr nur geschickt bestimmte Ereignisse, sondern konstruiert tatsächlich gewisse Ereignisse, um auf andere ähnliche, reale Ereignisse und Situationen hinzuweisen. Auf der re:publica erzählen sie von einem Auftrag, den sie von der weißrussischen Opposition bekommen hatten: Sie sollten für die Opposition vom Diktator Lukaschenko, vor allem im Ausland, Aufmerksamkeit erzeugen. Dies gelang ihnen mit einem halsbrecherischen Stunt – in dem sie am Tag nach einer Militärparade in den weißrussischen Luftraum eindrangen und über Minsk Teddy-Bären an Fallschirmen abwarfen, die eine gewisse Botschaft für den weißrussischen Diktator hatten, aber gleichzeitig auch in der Weltöffentlichkeit für Aufsehen sorgten.

 

 

Catch me if you can

Die Profilagentin Kixka Nebraska spricht vom Netzphänomen Snapchat und dem dahinterstehenden Prinzip der ephemeren (dt. flüchtigen) Publikation von Inhalten, von Inhalten, die nach einer gewissen Zeit (automatisch) wieder gelöscht werden. Bei Snapchat beispielsweise haben die geteilten Inhalte eine Verfallszeit zwischen 1 und 10 Sekunden.  Sie erzählt von Twitterprofilen, auf denen die Twitterer nach wenigen Minuten die publizierten Posts wieder löschen und stellt Tools und Apps vor, die Publikationen auf Social Media automatisch löschen.

 

 

Civil Society Information Defense

Ein österreichischer IT-Journalist ruft zum Kampf gegen Datenklau auf und empfiehlt den anwesenden Zuhörern auf Linux-Server umzusteigen. Wieso? Weil die die NSA diese auch nutzt.

 

 

Hardboiled Wonderland – oder: Was hat das mit der User-Realität zu tun?

„Wie jetzt?“ haben wir uns innerlich mehrmals gefragt. Laut ausgesprochen hat diese Gegenfrage dann Lorenzo Tural Osorio während der Fragesession seines Vortrages auf eine äußerst umständliche und konstruierte Frage einer re:publica-Besucherin. Dazu muss man wissen, dass Lorenzo mit gerade einmal 13 Jahren der jüngste Speaker auf der re:publica 2014 war. Und er brachte mit dieser Aussage die unglaubliche Distanz der Netzgemeinde, so wie die re:publicaner sich gern bezeichnen, zu der großen breiten Nutzerschaft des Web – 1.0 und 2.0 – perfekt zum Ausdruck. Auch wenn die re:publica sicherlich nie den Anspruch hatte eine internationale Leitmesse zum Thema Digital und Social Media und deren inhaltlicher und kommerzieller Nutzung zu werden und auch nicht als Speerspitze für Announcements und Innovationen in diesem Feld zu werden, hat sie sich mittlerweile perfekt eingeigelt in eine fantastische und sicher teilweise auch sehr unterhaltsame Metawelt, in der sie Themen einen Stellenwert einräumt, den es in der Realität für die meisten User sowie Unternehmen nicht gibt.  Obgleich die Besucherzahlen von Jahr zu Jahr ansteigen, geht der praktische Nutzen für Unternehmen und Brands immer mehr verloren aktiv und passiv an der größten Digitalkonferenz Deutschlands teilzunehmen.